PAPERTALK

GRENZGEBIET

24. Februar 2020

Irgendwo zwischen Universal Music und cleanen Backsteinfassaden, in einem auffallend normalen Haus, liegt das Studio von Matti Cordewinus. Wir trinken Kaffee und schauen uns Fotos von seiner Osteuropa Tour an. Wir haben über seinen daraus entstandenen Kinofilm GRENZGEBIET und den Stoff, aus dem seine Filme sind gesprochen. Viel Spaß beim lesen! 

Matti Cordewinus Was soll ich dazu sagen? Der Trailer ist noch nicht abgeschlossen und heute bin ich zu matschig im Kopf, als dass ich daran weiterarbeiten könnte, aber ich denke, dass ich morgen Nachmittag eine Entscheidung fällen werde. Das kriege ich hin.
Karl Kowalke Dann hast du jetzt ja vielleicht genug Abstand. Inwiefern spielt Papier bei dir als Filmemacher eine Rolle?
MC Wenn ich auf Filmstoffe komme, dann beginnt es natürlich erst mal im Kopf, aber nur als eine Ahnung. Und es wird konkreter in dem Augenblick, in dem ich es fetzenweise auf ein A4 Blatt zeichne, was direkt vor mir liegt. Am besten funktioniert es, wenn man ungut drauf ist und eine Unruhe spürt, die man nicht zu greifen kriegt. Diese Unruhe wird griffiger, indem man Wörter auf’s Papier schreibt, die im Einzelnen für einen Außenstehenden vielleicht gar keinen Sinn ergeben. Im Ganzen, wenn dann da zehn, zwölf, achtzehn Wortgruppen stehen und Wörter, die frei assoziativ auf das Blatt Papier getragen wurden, sieht man plötzlich die Verbindungen und daraus entstehen im Idealfall richtige Szenen. Der Antriebsmotor dafür ist ein ungutes Gefühl, das dadurch dann seinen Kanal gefunden hat oder verstanden wurde.
KK Das du dann aufarbeitest.
MC Ja, obwohl gar nicht mal unbedingt verstanden, aber ja, es sichtbar wurde. Wie, dass du den Qualm erst siehst, wenn du die Taschenlampe draufhältst. Dann kommt erst richtig raus, was er für einen Ausmaß hat und wie er sich bewegt und so weiter.
KK Und aus dem Aufschreiben, aus der persönlichen Erfahrung, kann ein Film entstehen?
MC Genau. Und verrückterweise kommt man oft auf ein Filmthema, durch eine einzige Beobachtung, in der Stadt, in der Arbeitswelt und aus dieser Beobachtung entwickelst du eine kleine Szene für dich, die auch als Notiz oft nicht länger sein muss als ein Satz. Und aus dieser Notiz heraus entwickelst du eine ganze Geschichte und am Ende ist in dieser Geschichte, in diesem Film alles Mögliche drinne, nur nicht mehr diese Szene, durch die du angefangen hast, darauf zu kommen. Und das ist eigentlich immer so. Verrückterweise.